Die Bedeutung der chinesischen Gin-Lien-Schuhe / Lotus-Schuhe

Ein Schuh ist nicht gleich ein Schuh, er ist ebenso wenig nur zum Schutz der Füße gedacht sowie gleich nur dem Praktizismus geschuldet.

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arstellung kunstvoll gearbeiteter Gin-Lien Schuhe Ende 19. Anfang 20. Jahrhundert.
Traditionelle Schuhe wurden nicht nur im alten China getragen, sondern bis heute hinein auch in anderen alten Kulturen und Ländern, insbesondere an Damenfüßen trugen sie zur äußeren Darstellung der gesellschaftlichen Schicht sowie zur erotischen Bedeutung und modischen Erscheinung bei.

Darüber hinaus, wird der Schuh nicht selten als Glücks-, Schutz-, Fruchtbarkeits-, Liebes- und Treuesymbol gesehen. Man findet ihn in den verschiedensten rituellen Zeremonien und Gebräuchen alter sowie gegenwärtiger Kulturen wieder. So zum Beispiel auch in der westlichen Kultur, in der die Brautschuhe versteigert und/oder von „Pfennigen“ erworben wurden/werden oder etwa aus denen das Brautpaar gemeinsam einen Schluck trinkt, um somit ihre Treue zu besiegeln.

Schuhe unterstreichen die sinnliche Ausstrahlung von Füßen und schüren ebenso erotische Fantasien. Ein zierlicher Damenfuß ist bis heute hinein ein weit verbreitetes Schönheitsideal.

 
Die Geschichte der Gin-Lien-Schuhe die auch unter der Bezeichnung Lotus-Schuhe bekannt sind verkörperten mehr als 1.000 Jahre lang eine der bizarrsten und schmerzreichsten Prozeduren der Welt um einem Schönheitsideal zu entsprechen.

Durch das Binden und Formen der Füße mit nassen Leinen- und Seidentüchern, dass in der Regel bereits ab dem vierten Lebensjahr eines ostasiatischen Mädchens begann sollten die Aussicht auf eine Heirat mit einem Mann aus den höchsten privilegierten sowie adeligen Kreisen erhöht werden.

Damals galt das "Schönheitsideal" je kleiner die Füße, je schöner die junge Frau, je höher ihre Heiratsaussichten.

Die Prozedur des über Jahre lang praktizierten Fußbindens war nur unter großen Schmerzen zu ertragen und führte letztendlich unweigerlich zur fast vollständigen Verkrüppelung des Vorderfußes, oftmals blieb außer einem Teil des großen Zehs vom Fuß des Mädchens nichts mehr übrig. Die jungen chinesischen/ostasiatischen Mütter aus der Oberschicht sollen laut Berichten lange vor Erreichen des vierten Lebensjahres der Tochter große Ängste gehabt haben weil sie dieser, der „Schönheit“ wegen die schier unsäglichen Schmerzen zufügen mussten.

Diesen durch das Binden geformten Füßen wurde auch eine erotische Bedeutung zugesprochen, welche zumeist in den Verzierungen der Schuhe zum Ausdruck gebracht wurde.

Erst mit dem Untergang des chinesischen Kaiserreiches und der Gründung der chinesischen Republik im Jahre 1911 wurde das Fußbinden der Gin-Lien Füße verboten, da sich diese Praktik bis in die unteren sozialen Schichten ausgebreitet hatte und es somit verhältnismäßig wenige Frauen gab die zum Beispiel bei der Feld- und Hausarbeit behilflich sein konnten. Jedoch dauerte es noch ca. ganze 30-40 Jahre bis diese Praktik ihr gänzliches Ende fand.
 
 
Darstellung kunstvoll gearbeiteter Gin-Lien Schuhe Ende 19. Anfang 20. Jahrhundert. 
 

Quellen:
Internet: http://folio.nzz.ch/2007/november/die-zwei-millionen-dollar-sandale
Internet: http://www.museum-digital.de/rlp/index.php?t=objekt&oges=3675
Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/Lotosfuß
Buch: Beverley Jackson: Splendid Slippers: A Thousand Years of an Erotic Tradition. 10 Ten Speed Press, California 1998, ISBN-13: 978-0898159578.