LACQUERWARE
Liebhaber des asiatischen, chinesischen oder japanischen Stils treffen früher oder später auf den Begriff Lacquerware, doch was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Lacquerware ist die englische Bezeichnung für Lackware, womit jedoch keineswegs die berühmt berüchtigte Lackmode oder ähnliches gemeint ist. Unter Lackware versteht man z. B. eine Kunstrichtung, einen Kunststil und/oder eine Handwerkskunst auch bekannt als chinesische Lackkunst (chinesisch 漆器 qīqì). Diese sehr Arbeits- und Zeitintensive kunsthandwerkliche Technik fand seinen Ursprung vor ca. 3500 Jahren in China. Dabei werden Lacke zur Ober-flächenveredelung und Dekoration z. B. auf Alltagsgegenstände und Kunstgegenstände in einzelnen Schichten aufgetragen. Hierbei werden nicht selten 200 und mehr (je nach Technik) Lackschichten  erreicht.  Jede einzelne Lackschicht
muß nach dem Auftragen in einem speziellen Trocknungsverfahren trocknen. Die Arbeiten bis zur Fertigstellung eines Werkstücks betrugen je nach dem 1-5 Jahre.

Die heutige Lacquerware wird nur noch sehr selten im traditionellen Verfahren hergestellt, der Arbeitsaufwand und die Materialkosten für eine traditionelle Herstellung sind immens hoch, so gibt es heute nur noch vereinzelte Künstler auf der Welt die sich dieser Handwerkskunst verschrieben haben.

In der heutigen Zeit gibt es weitaus mehr Möglichkeiten, Verfahren anzuwenden, die Kostengünstiger und nicht ganz so Zeitintensiv sind wie die traditionelle Herstellung dieser Kunstwerke. Hierbei gibt es große Qualitätsunterschiede, die sich wiederum auf dem Markt in den Preisen widerspiegeln.

Neben der Herstellung von billigen Plastik-Lacquerware gibt es immer noch handgearbeitete Lacquerware deren Trägermaterial aus Naturwerkstoffen wie z. B. Holz, Leder und Bambus, etc. besteht.

Die von uns angebotene Lacquerware zählt zu dem letzteren oben genanntem Beispiel, die Schalen, Teller, Tabletts werden aus dem Naturwerkstoff Bambus hergestellt, hierzu werden Bambusstreifen aneinandergereiht verklebt und gepresst, nach der Trocknung werden die Trägerformen geschliffen. Jede Schale, jeder Teller etc. wird in aufwendiger Handarbeit erstellt und mit Verzierungen wie z.B. Pflanzenmotiven von Hand bemalt oder mit anderen Materialien wie z. B. Ton, Perlmutt, Glitter oder Mosaike etc. veredelt. Abschließend werden mehrere Lackschichten über die Veredlung aufgetragen und poliert.

Beispiele - Lacquerware-Muster

Durch dieses für die heutige Zeit noch recht aufwendige Verfahren, erhält die z. B. von uns angebotene Lacquerware ihre extrem schöne Farbbrillanz und ihren seidigen Glanz.

Beispiele - Lacquerware

Traditionelle Lacke und Herstellungstechniken
Die Lacke für diese Handwerkskunst werden aus dem harzigen, milchigen Rindensekret des Lackbaums (Rhus verniciflua) gewonnen, dessen Vorkommen die Wälder auf Hügeln und Bergen in Höhenlagen zwischen 800 und 2800 Meter in Indien, Japan, Korea und den chinesischen Provinzen Anhui, Fujian, Gansu, Guangdong, Guangxi, Guizhou, Hebei, Henan, Hubei, Hunan, Jiangsu, Jiangxi, Liaoning, Shaanxi, Shandong, Shanxi, Sichuan, Xizang, Yunnan, Zhejiang und Ursi-no-ki (Japan) sowie Kej-shon (Vietnam) sind.

Der Lacksaft wird mittels Hanf oder Leinentüchern gefiltert und durch schonendes Erhitzen dehydriert und homogenisiert. Nachdem der der vorhergenannte Prozeß abgeschlossen ist, erfolgt in der Regel die Färbung des sogenannten Chinalacks (Synonyme: Japanlack, Urushi-Lack, Rhuslack ) mittels Zugabe von Pigmenten. Die klassischen sowie die ältesten Farb-Variante der Chinalackfarben sind Rot und Schwarz, diese erhielt man bei Rot durch Beigabe von Zinnober und bei Schwarz durch Beigabe von Ruß oder später auch teilweise Eisensulfatspäne. Erst ab dem 19. Jahrhundert gelang die Herstellung von Farben mit Brauntönen durch Eisenoxid, Grüntönen durch Mischungen aus Indigo und Malachitpulver. Zur gleichen Zeit verwendete man das rötlich-gelbe Auripigment (Arsen(III)-sulfid) um Gold zu imitieren, Lacke die mit dem Auripigment hergestellt wurden glichen dem Gold wie keine andere Farbe. Später wurde das Auripigment durch das 1797 entdeckte Chromgelb ersetzt. Heute werden zur Herstellung der Lacke meist ungiftige Teerfarbstoffe auch als Anilinfarben bekannt verwendet.

Im Laufe der Jahrzehnte, bzw. Jahrhunderte wurden die verschiedensten Techniken erfunden und angewandt. Heute kennt man folgende Technikarten die angewandt und zum Teil bis heute noch angewendet werden.

Monochrome
Dies ist die einfachste und damit auch historisch älteste Form der chinesischen Lackkunst ist, die Monochrome Technik, hierzu wurden alltägliche Gegenstände mit Lack überzogen. Später erst, begann man kleine Steine, Tonscherben und Mosaike in den Lack mit einzuarbeiten.

Lackmalerei
Die Lackmalerei wurde insbesondere auf Tafelgeschirr, Kleidertruhen, Möbel, Opferbecken sowie Musik-instrumente etc. angewandt.

Beispiele - Lackmalerei

Ritzlack
Bei der Technik des Ritzlacks handelt es sich um monochrome Lackarbeiten die mit einem nadelartigen Werkzeug graviert und somit veredelt wurden.

Schnitzlack
Die Schnitzlackkunst ist jene Kunst, die China für seine Lackkunst berühmt gemacht hat. Bei dieser Technik werden besonders viele Lacklagen übereinander aufgetragen, so dass die Gesamtschicht eine schnitzbare Dicke erreicht. Nach dem bearbeiten entstanden auf diese Weise reliefartig-erhabene, oft mehrere Millimeter tiefe und damit plastisch-dreidimensionale Muster.

Beispiele - Schnitzlack

Koromandellack
Die Koromandeltechnik stellt eine Sonderform dar, zunächst wurde der Holzträger mit einer Grundierung überzogen, danach wurden mehrere dünne Lagen schwarzen oder braunen Lacks aufgetragen. Nach dem Aushärten des Lacks schnitt man filigrane Muster in den Lack, und zwar so, dass die farbigen Flächen darunter wieder teilweise sichtbar wurden. Diese wurden dann erneut mit Lack oder auch Ölfarben ausgemalt und/oder teilweise auch mit Goldstaub beklebt.

Perlmuttlack
Hierbei wurden in Schwarzlackarbeiten Muster, Motive und Ornamente aus Perlmutt eingearbeitet.

Die chinesische Lackkunst wurde von zahlreichen Ländern, insbesondere jedoch von Japan übernommen und weiterentwickelt. Die Japaner übertrafen sogar teilweise die Qualität und Exklusivität des Ursprungslands. Ab dem 16. Jahrhundert wurden chinesische Lackerzeugnisse auch in Europa sehr populär und zählten nach dem Porzellan zu den wichtigsten Exportgütern Chinas. Die hiesigen Fürsten zeigten die Kunststücke in ihren Sammlungen und richteten sich sogar in ihren Schlössern und Residenzen eigene Lackkabinette ein.

Durch die Begehrtheit der chinesischen Lackkunst dauerte es nicht lange bis im Westen die ersten Lack-Manufakturen entstehen sollten, jedoch scheiterte man noch lange Zeit zuvor an der Beschaffung des Grundstoffs. Erst später (1709) sollte es einem Pater namens Filippo Buonnani gelingen, eine Reihe von Ersatzlacken zu entwickeln. Sobald begann man an den europäischen Höfen, die chinesische Lackkunst ernsthaft jedoch noch unvollkommen zu imitieren.

Erst im laufe des 20. Jahrhundert gelang man an eingehende wissenschaftliche Erkenntnisse über die chinesische Lackkunst. Die wegweisenden Standardwerke stammen von Fritz Löw-Beer , Werner Speiser , Lee Yu-Kuan sowie Harry Garner.

Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Lackbaum
http://de.wikipedia.org/wiki/Chinesische_Lackkunst
http://de.wikipedia.org/wiki/Lackkunst
http://de.wikipedia.org/wiki/Auripigment
http://de.wikipedia.org/wiki/Teerfarbstoff

Chinese Arts & Crafts - Frankfurt
Eckenheimer Landstr. 45 / Ecke Hermanstr.
60318 Frankfurt | Tel.: 069-90557711 (ab 15.00 Uhr)
IMPRESSUM / RECHTLICHER HINWEIS
© 2012 - 2017 Chinese Arts and Crafts